Fraunhofer ITEM testet, ob ein COPD-Medikament der Novartis Pharma GmbH die Funktion des Herzens verbessert

Innovative klinische Studie: Ein erfolgreicher Schritt für die COPD-Forschung

22.2.2018

Eine klinische Studie am Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin ITEM konnte durch die Gabe eines Kombinationspräparats der Firma Novartis (Indacaterol/Glycopyrronium) neben der Verbesserung der Lungenfunktion einen deutlich positiven Effekt auf die Herzfunktion von COPD-Patienten nachweisen. Die Ergebnisse der Studie sind jetzt im renommierten Journal »The Lancet Respiratory Medicine« veröffentlicht.

In Deutschland leiden rund 13 Prozent der Bevölkerung an einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). COPD ist die weltweit vierthäufigste Todesursache, 90 Prozent der Betroffenen sind Raucher. Husten, Auswurf und Luftnot wegen einer fortschreitenden  Verengung der Bronchien und einer überblähten Lunge sind klassische Merkmale der Erkrankung. Langwirksame Kombinationspräparate wie Beta-Mimetika und Anti-Muskarinika zur Bronchialerweiterung stellen die wichtigste Säule der Therapie im fortgeschrittenen Stadium der COPD dar.

Das Fraunhofer ITEM untersuchte in Zusammenarbeit mit dem Institut für Radiologie sowie den Kliniken für Pneumologie und Kardiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) mittels Kernspintomographie des Herzens, ob eine 14-tägige Behandlung mit einem langwirksamen, bereits für die Behandlung von COPD zugelassenen Kombinationspräparat der Firma Novartis, neben einer Verbesserung der Lungenfunktion auch die Herzfunktion verbessert. Die klinische Studie verlief Plazebo-kontrolliert und doppelblind. 

Mittels Kernspintomographie untersuchten Forscherinnen und Forscher des Fraunhofer ITEM die Auswirkungen des Medikaments auf die Herzfunktion im CRC Hannover.
© Fraunhofer ITEM

Es wurden 62 über 40-jährige Patienten mit mittelschwerer bis schwerer COPD, die an einer Überblähung der Lunge litten, untersucht. Die Behandlung führte gegenüber Plazebo zu einer hochsignifikanten und klinisch relevanten Verbesserung der Überblähung und der bronchialen Verengung. Darüber hinaus erhöhten sich die Füllvolumina der linken und rechten Herzkammer deutlich, was mit einer Verbesserung des Herzzeitvolumens einherging. Die Behandlung führte zu einer signifikanten Verbesserung der Symptomatik und der Lebensqualität der Patienten. Diese Ergebnisse haben eine wichtige Bedeutung für die Behandlung der COPD und legen nahe, dass es bei überblähten Patienten mit COPD neben einer Verbesserung der Lungenfunktion auch zu einer klinisch relevanten Verbesserung der Herzfunktion kommt. Der Studienleiter, der auch die klinische Atemwegsforschung am Fraunhofer ITEM leitet, Prof. Dr. Jens Hohlfeld erläutert: »Bei diesem beeindruckenden Ergebnis handelt es sich um einen kooperativen Erfolg: die Kombination der langjährigen Expertise in der Atemwegsforschung des Fraunhofer ITEM und die Expertise der Professoren Jens Vogel-Claussen, Johann Bauersachs und Tobias Welte der Medizinischen Hochschule Hannover hat diese Erkenntnisse überhaupt möglich gemacht. Darüber hinaus steht uns im Clinical Research Center Hannover als Voraussetzung für solch innovative Studien eine hochmoderne Ausstattung für die klinische Forschung zur Verfügung, auf die kaum ein anderes klinisches Forschungszentrum in Deutschland zugreifen kann«.

Zur Veröffentlichung im Journal »The Lancet Respiratory Medicine«