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Workshop »Models of Lung Disease« 2017

Ein Rückblick auf den Workshop 2017

© Foto Fraunhofer ITEM
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Am 19. und 20. Januar 2017 fand zum 16. Mal ein Seminar der Reihe »Models of Lung Disease« statt, ausgerichtet vom Fraunhofer ITEM in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL). Mit über 130 Teilnehmern aus 15 Ländern war die Veranstaltung im Clinical Research Center Hannover diesmal bis auf den letzten Platz ausgebucht. Hochkarätige internationale Experten auf dem Gebiet der translationalen Lungenforschung aus Industrie und dem Hochschulbereich kamen zum 16. Mal zusammen, um aktuelle Entwicklungen der experimentellen Lungenforschung zu diskutieren und unterschiedliche Modelle und Ansätze zu vergleichen. Abgerundet wurde das Programm durch diverse Führungen in nichtklinische und klinische Abteilungen des Fraunhofer ITEM.

Verschiedene Krankheitsbereiche wie Asthma, COPD, Lungenfibrose, Lungeninfektion und -exazerbation wurden in ausgewählten Präsentationen beleuchtet, die unterschiedliche Forschungsstadien abdeckten: von der Grundlagenforschung über präklinische Modelle bis hin zu frühen klinischen Studien. Im Mittelpunkt standen dabei die exakten Mechanismen der Krankheitsentstehung und des Krankheitsverlaufs. Darüber hinaus wurden auch methodische Aspekte wie bildgebende Verfahren und die Biomarkerentwicklung beleuchtet. Während einer Poster-Session hatten die Teilnehmer zusätzlich die Möglichkeit, mit den Autoren über die 20 ausgestellten wissenschaftlichen Poster zu diskutieren.

Experimentelle Lungenforschung ist von größter Wichtigkeit

Atemwegserkrankungen wie Asthma, COPD, Lungenentzündung, Fibrose und Tumore sind Gesundheitsprobleme von großer Bedeutung in der westlichen Gesellschaft. Ziel der Translationsforschung ist ein besseres Verständnis dieser Erkrankungen, um mit diesem Wissen prädiktive Krankheitsmodelle implementieren zu können. Solche Modelle sind eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung neuer Therapien. Präsentationen über translatorische Forschungsprojekte, welche die Verbindung zwischen präklinischer Entwicklung und klinischer Forschung herstellen, sowie Vorträge aus einer breiten Vielfalt anderer Disziplinen bildeten eine Plattform, die den Zuhörern Einblick in verschiedene Mechanismen von Lungenerkrankungen gewährte und zu Diskussionen über mögliche therapeutische Ansätze führte. Armin Braun (Fraunhofer ITEM; siehe Foto), Bereichsleiter am Fraunhofer ITEM und Hauptorganisator des Seminars, begrüßte 22 Redner, 11 Aussteller und rund 100 weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer. In seiner kurzen Eröffnungsrede unterstrich er die internationale Wichtigkeit der translationalen Forschung im Bereich der Atemwegserkrankungen und äußerte sich aus diesem Grunde hoch erfreut darüber, dass etwa ein Drittel der teilnehmenden Personen aus dem Ausland angereist war.

 

© Foto Fraunhofer ITEM
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Translationale Lungenforschung an Asthma- und Fibrosemodellen

Asthma ist eine komplexe Erkrankung, die hinsichtlich des klinischen Verlaufs und des Ansprechens auf Therapien eine ausgeprägte Heterogenität aufweist. Mehrere Vorträge während des zweitägigen Seminars widmeten sich neuen Entwicklungen auf diesem Forschungsgebiet. Ramaswamy Krishnan (Harvard/Boston, USA; siehe Foto) beispielsweise erläuterte die Bedeutung von Screeningverfahren zur Entdeckung neuer bronchienerweiternder Wirkstoffe. Seiner Meinung nach gibt es Verbesserungspotenzial im Bereich des Arzneimittel-Screenings, um bestmögliche Behandlungsoptionen sicherzustellen. Maria Belvisi (London, Großbritannien; siehe Foto) befasste sich in ihrem Vortrag mit TRP-Rezeptoren als Targets für die Behandlung von Lungenerkrankungen. Auf diesem Forschungsgebiet besteht dringender Bedarf an der Entwicklung neuer Therapien, beispielsweise von Wirkstoffen, die auf den afferenten Schenkel des Hustenreflexes abzielen.

Einen weiteren thematischen Schwerpunkt bildeten Modelle der Lungenfibrose, etwa im Vortrag von Antje Prasse, Wissenschaftlerin am Fraunhofer ITEM. Ihr Beitrag galt der Erzeugung von Bronchosphären als Krankheitsmodell für das Testen von Arzneimitteln – eine Nachstellung der Embryogenese.

Prädiktive In-vitro- und In-vivo-Modelle sind von größter Bedeutung in der translationalen Forschung. Matt Thomas (AstraZeneca, Schweden) befasste sich in seinem Vortrag mit solchen Modellen und erörterte die Modellierung fibrotischer Mechanismen in Nagern im Vergleich zur Situation im Menschen.

Von Lungeninfektionen und -exazerbationen bis zu COPD

Mübeccel Akdis (Davos, Schweiz) stellte die Ergebnisse ihrer Forschung zu Infektionen mit humanem Rhinovirus und dem Durchbrechen der Immuntoleranz vor. Thema des Vortrags von Jens Hohlfeld (Fraunhofer ITEM; siehe Foto) war die Sicherheit und Wirksamkeit von humanem Rhinovirus 16 bei gesunden Probanden und Asthmapatienten, die mit inhalativen Steroiden behandelt werden. Ein weiterer thematischer Schwerpunkt lag auf der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Hier befasste sich Gerry Wagenaar (Leiden, Niederlande) mit neuen Behandlungsmöglichkeiten bei bronchopulmonaler Dysplasie. Edith Hessel (GSK, Großbritannien) gab detaillierte Einblicke in innovative Medikamente zur Behandlung bisher nicht therapierbarer Atemwegserkrankungen mithilfe von PI3kdelta-Inhibitoren. Zu diesen Erkrankungen zählt unter anderem ein Syndrom – Activation of PI3K-delta Syndrome (APDS) –, das auf eine übermäßige Aktivität von PI3K-delta zurückzuführen ist und sich in Form von häufigen Infektionen der Lunge manifestiert. Die Erkrankung führt zu Bronchiektasen und COPD-ähnlichen Veränderungen in der Lunge, mit lebensbedrohlichen Folgen für den Patienten.

© Foto Fraunhofer ITEM
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Poster-Session, Produktausstellung und Führungen

Während der gesamten Dauer der Veranstaltung waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingeladen, sich Methoden und Verfahren der Atemwegsforschung in der begleitenden Produktausstellung von Laborgeräteherstellern direkt erläutern und vorführen zu lassen. Auch der Ausstellungsbereich war in diesem Jahr komplett ausgebucht. In den Pausen zwischen den Vorträgen und in einer Poster-Session hatten die Teilnehmer  reichlich Gelegenheit, sich anhand wissenschaftlicher Poster weiter zu informieren und mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ins Gespräch zu kommen.

Abgerundet wurde das Programm durch drei Führungen. In kleinen Gruppen konnten die Besucher beispielsweise Einblicke in die Lungenfunktionsprüfung gewinnen, das Modell der Lungenpräzisionsschnitte näher betrachten und die hochmoderne Ausstattung des Institutsbereichs Klinische Atemwegsforschung im CRC Hannover bestaunen.
 

Fazit

Das Fraunhofer-Seminar »Models of Lung Disease« 2017 war erneut eine höchst gelungene Veranstaltung für eine Vernetzung und den Austausch zwischen Wissenschaft und Industrie. Hochkarätige Redner, exzellente Vorträge und ein ausgewogenes Programm mit ausgedehnten Pausen sorgten bei den Teilnehmern für große Zufriedenheit. Besonders hervorgehoben wurde in diesem Jahr »die hohe Qualität und inhaltliche Bandbreite der Vorträge«.

Ein Teilnehmer hob das Format dieser Veranstaltung als besonders attraktiv hervor, das »bestens geeignet ist, um mit anderen Wissenschaftlern ins Gespräch zu kommen und persönliche Kontakte zu knüpfen« – ein Pluspunkt, der von mehreren Besuchern des Seminars lobend erwähnt wurde. Dazu tragen sicherlich Größe und Programmgestaltung der Veranstaltung bei: Eine noch überschaubare Teilnehmerzahl und zahlreiche Pausen zwischen den Vortragsblöcken sorgen für eine diskussionsfreundliche Atmosphäre und ausreichend Konzentration, um jeden Vortrag des zweitägigen Programms mit voller Aufmerksamkeit verfolgen zu können.
Insgesamt dürfte dieses Fraunhofer-Seminar den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in bester Erinnerung bleiben und vielleicht auch dafür sorgen, dass manch eine(r) im Januar 2018 erneut nach Hannover reisen wird – zum 17. Fraunhofer-Seminar »Models of Lung Disease«.