Eine Weltraumtechnologie mit großer Wirkung auf der Erde
»Ein weiterer Bonus ist, dass das Nährmedium, in dem die Fibroblasten und Makrophagen eingebettet sind, kryokonserviert werden kann – also haltbar gemacht durch Einfrieren«, so Biochemiker Groneberg. »Eine Wundheilpaste, die über Jahre sicher aufbewahrt werden kann, ist ein großer Vorteil für Raumstationen, die nicht mal schnell von der Erde aus versorgt werden können.«
Etwas weiter in die Zukunft gedacht, könnte die innovative Pflaster-Technologie sogar eine personalisierte Wundversorgung von Astronauten und damit eine noch bessere Heilung ermöglichen: Vor dem Start ins All müssten hierfür Körperzellen des Weltraumpersonals durch Reprogrammierung in pluripotente Stammzellen umgewandelt und diese dann als Quelle für die benötigten Fibroblasten und Makrophagen verwendet werden. Noch ein bisschen weiter in die Zukunft gedacht, könnte dies eine spannende Lösung sein, um eine Besiedelung von Mond oder Mars sicherer zu gestalten. Aber auch auf Erden gibt es ausreichend Menschen, die von StellarHeal profitieren könnten. »Alleine in Deutschland leiden mehr als 400 000 Menschen unter chronischen Wunden, etwa infolge von Diabetes oder Dekubitus«, erklärt Dieter Groneberg. »Die Kosten für die medizinische Wundversorgung dieser Patientinnen und Patienten belaufen sich auf rund acht Milliarden Euro pro Jahr.« Gut 40 Prozent dieser Summe entstehen durch Wundversorgungsmaterial. Schätzungen zufolge werden die Kosten für chronische Wunden bis 2030 auf knapp zehn Milliarden Euro in Deutschland ansteigen. Die Hoffnung der Forschenden ist, dass das neue Super-Pflaster hier sowohl Leid lindern als auch die Ausgaben im Gesundheitswesen senken kann. Die darin eingebetteten Makrophagen lassen sich gezielt polarisieren und so an unterschiedliche Wundheilungsszenarien anpassen, erläutert Projektleiter Groneberg: »Da Wunden im Weltall mit überschießender Narbenbildung reagieren, setzen wir hier anti-fibrotisch polarisierte Makrophagen ein, um einer übermäßigen Gewebefibrose entgegenzuwirken. Bei diabetischen Wunden, bei denen oft eine unzureichende Kollagenbildung besteht, könnten dagegen profibrotisch wirkende Makrophagen helfen, die Geweberegeneration zu fördern.« Aktuell sind die Forschenden dabei, die einzelnen Komponenten des Weltraum-Pflasters bestmöglich zu kombinieren, bevor dann die Phase der klinischen Tests startet.