Klinische und translationale Fibroseforschung

Die Lungenfibrose ist eine Erkrankung des älteren Menschen. Neueste Daten gehen von einer Prävalenz von 2 Prozent der Normalbevölkerung der über 50-Jährigen und ca. 100.000 Todesfällen pro Jahr in Deutschland aus. Bei der Lungenfibrose kommt es zu einer zunehmenden Zerstörung der normalen Lungenarchitektur durch Vernarbung und Ausbildung von Ersatzgewebe.

Ein klarer Standortvorteil ergibt sich durch das ausgedehnte Lungentransplantationsprogramm an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Durch die Vernetzung von Fraunhofer ITEM und MHH im Rahmen des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) am Standort Hannover (BREATH) verfügt die Attract-Gruppe über einen deutschlandweit einzigartigen Zugang sowohl zu frisch aus Lungenexplantaten gewonnenem Lungengewebe als auch zu den asservierten Gewebsmaterialien der BREATH-Biobank. Hierzu erfolgt eine genaue Dokumentation und Charakterisierung der zugrundeliegenden Erkrankung der transplantierten Patienten.

Die aus Frischgewebe gewonnenen primären Zelllinien können in Forschungsprojekten für In-vitro-Assays eingesetzt werden, beispielsweise zur Testung der Wirkungsweise von Medikamenten. Parallel zu der Etablierung des Forschungslabors wurde auch das klinische Zentrum für Lungenfibrose an der MHH durch Prof. Prasse aufgebaut, das im Jahr 2015 bereits mehr als 400 Patienten mit verschiedenen Formen der Lungenfibrose betreute. Auch für die Materialien, die im Rahmen der Routinediagnostik bei diesen Patienten anfallen, wurde eine weitere Biobank durch die Attract-Gruppe etabliert. Diese wird ebenfalls zur Gewinnung primärer Zelllinien und für künftige Projekte zur Biomarkerforschung eingesetzt. Durch die im CRC Hannover und in der Abteilung für klinische Atemwegsforschung bestehende Datenbank von gesunden Probanden hat die Attract-Gruppe zudem Zugang zu Materialien von gesunden Kontrollen. Im Rahmen eines EU-Projekts zur idiopathischen Lungenfibrose erfolgten 2015 bereits zahlreiche Bronchoskopien am Fraunhofer ITEM an über 60-jährigen gesunden Probanden zur Gewinnung geeigneter Kontroll-Materialien.

Internationale Kooperation

Konkret wurde auf Basis der vorhandenen Bio- und Datenbanken in einem Kooperationsprojekt mit der Yale University das Transkriptom (RNA-Expression) von BAL-Zellen bei 212 Patienten mit idiopathischer Lungenfibrose in drei unabhängigen Kohorten analysiert und eine Gen-Signatur entwickelt, die das Überleben der Patienten prognostiziert. Diese Arbeiten wurden federführend von Prof. Prasse in einem hochrangigen medizinischen Journal zur Publikation eingereicht und sind auf internationalen Kongressen auf großes Interesse gestoßen. Unter anderem aufgrund dieser Arbeiten verlieh die European Respiratory Society im September 2015 Prof. Prasse den »IPF Research Award«, einen Forschungspreis für die idiopathische Lungenfibrose.