Kampf gegen Infektionen und Resistenzen

Fraunhofer weiht deutsch-australisches Projekt iCAIR® ein

18.1.2018

(Hannover) Eine Allianz von Forschenden des Fraunhofer-Instituts für Toxikologie und Experimentelle Medizin ITEM, der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und des Institute for Glycomics (IfG) der Griffith University in Gold Coast, Australien, hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, im Projekt Fraunhofer International Consortium for Anti-Infective Research, kurz iCAIR®, neuartige Wirkstoffe als Antiinfektiva zu entwickeln. Am Fraunhofer ITEM ging diese wegweisende Kooperation am 18. Januar 2018 offiziell an den Start. Gefeiert wurde dies gemeinsam mit Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik sowie mit Vertretern der australischen Botschaft.

Die Projektleiter der am deutsch-australischen Projekt iCAIR beteiligten Institutionen (v. l. n. r.): Prof. Dr. Armin Braun, Fraunhofer ITEM, Prof. Dr. Rita Gerardy-Schahn, MHH und Prof. Dr. Mark von Itzstein, Griffith University, Australien.
© Fraunhofer ITEM

Die Projektleiter der beteiligten Institutionen (v. l. n. r.): Prof. Dr. Armin Braun, Fraunhofer ITEM, Prof. Dr. Rita Gerardy-Schahn, MHH und Prof. Dr. Mark von Itzstein, Griffith University, Australien.

Infektionen können tödlich sein. Nicht nur Grippeviren sind eine große Gefahr. Auch Bakterien, die resistent sind gegen Antibiotika, fordern jährlich Hunderttausende von Todesopfern auf der ganzen Welt. »Aufgrund der klinischen Notwendigkeit für neue Therapien bei Infektionserkrankungen ergibt sich der dringende Bedarf nach neuen Arzneimittelentwicklungen«, erläutert Prof. Armin Braun, Bereichsleiter Präklinische Pharmakologie am Fraunhofer ITEM. »Hohe Entwicklungskosten, eine wahrscheinlich kurze Einsatzdauer am Patienten und die mögliche Resistenzentwicklung schreckten Unternehmen ab, da sie Verlustgeschäfte befürchteten.« Das größte Hindernis ist der lange Weg, der zwischen der Entdeckung neuer, potenziell heilsamer Substanzen und der klinischen Prüfung liegt. Das öffentlich zugängliche Projekt iCAIR® will diese Lücke in der Entwicklungskette schließen und neue Behandlungsoptionen von der Identifikation therapeutischer Zielstrukturen bis hin zum Wirksamkeitsnachweis, dem sogenannten präklinischen Proof-of-Concept, entwickeln.

Im Rahmen des jährlichen Fraunhofer-Seminars »Models of Lung Disease« wurde das deutsch-australische Projekt iCAIR des Fraunhofer ITEM, der Medizinischen Hochschule Hannover und der australischen Griffith University eingeweiht.
© Fraunhofer ITEM

Die Einweihung von iCAIR fand im Rahmen des jährlichen Fraunhofer-Seminars »Models of Lung Disease« statt.

Die Expertise der drei Kooperationspartner - Fraunhofer ITEM, Medizinische Hochschule Hannover und die australische Griffith University - greift beim gemeinsamen Projekt iCAIR ideal ineinander.
© Fraunhofer ITEM

Die Expertise der drei Kooperationspartner greift ideal ineinander.

»Die Bündelung der einzigartigen und komplementären Kernkompetenzen der drei Projektpartner ist hierfür die ideale Voraussetzung«, so Prof. Mark von Itzstein, Direktor des australischen IfG. »Wir bringen alle entscheidenden Expertisen mit: von der Identifikation und molekularbiologischen Charakterisierung therapeutischer Zielstrukturen am IfG und der MHH über Identifikation, Design und Optimierung von Wirkstoffkandidaten am IfG und der präklinischen Prüfung der Wirksamkeit und Sicherheit neuer Medikamente am Fraunhofer ITEM.« In ausgewählten Leitprojekten wird iCAIR® künftig seine kompetente Stellung als präklinische Entwicklungsplattform für neue Antiinfektiva etablieren und nachweisen. Innerhalb dieser Leitprojekte sollen unter anderem neue Therapieansätze für die Infektionserreger Pseudomonas aeruginosa, Aspergillus fumigatus, Humanes Parainfluenza Virus, Influenza Virus und Neisseria meningitidis entwickelt und bis zum präklinischen Machbarkeitsnachweis entwickelt werden.

»iCAIR® reagiert auf den hohen gesellschaftlichen Bedarf an neuartigen Wirkstoffen im Kampf gegen die zunehmende Bedrohung durch unbeherrschbare Infektionskrankheiten«, ergänzt Prof. Rita Gerardy-Schahn, Direktorin des Instituts für Klinische Biochemie der MHH. »iCAIR® geht neue Wege in der Wirkstoffentwicklung und adressiert im eng vernetzten System alle Schritte der zielgerichteten Entwicklungskette von der Identifizierung möglicher Angriffspunkte bis hin zu Wirkstoffdesign und Wirksamkeitstest.«

Die im Rahmen von iCAIR® aufgebaute Entwicklungsplattform soll neben der Nutzung für proprietäre Projekte auch für externe Partner verfügbar gemacht werden. Vorhaben aus der Auftragsforschung in der pharmazeutischen Industrie sind ebenso angedacht wie die Öffnung für kleine und mittlere Unternehmen und öffentlich geförderte Projekte. Langfristig könnte aus der iCAIR®-Projektallianz ein Fraunhofer Project Center und perspektivisch ein Fraunhofer Center für neue antiinfektive Arzneimittel entstehen.

Margalit Levin von der Australischen Botschaft in Berlin sagt: »Das Projekt iCAIR® ist eines von zahlreichen herausragenden Wissenschafts-, Innovations- und Forschungsprojekten, die von deutschen und australischen Partnern gemeinsam bearbeitet werden und Potenzial für wesentliche Auswirkungen in der ganzen Welt haben. Diese Kooperation zwischen Fraunhofer ITEM, der Medizinischen Hochschule Hannover und dem Institute for Glycomics an der Griffith University in Australien zeigt erneut, dass Entfernung heute kein Hindernis mehr ist, wenn es darum geht, exzellente Forschung voranzutreiben. Die Partner werden sich nun gemeinsam der globalen Notwendigkeit widmen, neue Therapien gegen Infektionen zu entwickeln.«

Weitere Informationen zu dem Projekt iCAIR®