Informationen für Patienten

Das Team des Fraunhofer ITEM in Regensburg
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Das Team des Fraunhofer ITEM in Regensburg

In der immer älter werdenden Gesellschaft nimmt die Häufigkeit der Krebserkrankungen zu. Dabei ist jede Krankheit anders. Ein Mensch hat individuelle genetische Merkmale und einzelne Zellen erwerben zufällige Fehler in der Erbinformation. Diese können zu einer bösartigen Entartung führen.

Während es früher für jeden Krebs eine standardisierte Behandlung gab, so versucht die moderne Medizin heute der hohen Individualität einer Krebserkrankung gerecht zu werden. Eine besondere Herausforderung ist es hierbei vorherzusagen, welche Behandlung für welchen Patienten am besten ist.  

Schwerpunkt des Fraunhofer ITEM in Regensburg ist die Entwicklung solcher Vorhersagetests für den Krankheitsverlauf (manche Krankheit ist schon durch die Operation geheilt und es bedarf nicht zusätzlicher hochtoxischer Medikamente!), zur Auswahl der Medikation und zur Vorhersage des Therapieansprechens im Verlauf der Erkrankung. Diese Analysen sollen auch dazu beitragen, gezielt neue Therapien zu entwickeln, die an den »Achillesfersen« der individuellen Tumore ansetzen.

Die Untersuchung von echten Patientenproben – im Gegensatz zu Zellkulturen oder Maustumoren – ist bei solchen Analysen eine entscheidende Voraussetzung. Nur durch die Charakterisierung der individuellen Tumorproben vieler Patienten, oft auch durch die Analyse des individuellen Abwehrsystems, lassen sich Regeln entdecken und gezielt für einzelne Patienten nutzbar machen.

Ihr Beitrag zur Entwicklung personalisierter Tumortherapien

Um Zusammenhänge zu erforschen, sind wir auf Blut- und Gewebeproben von Krebspatienten angewiesen. Nur mit der Mithilfe von Krebspatienten können wir aus den gewonnenen Erkenntnissen neue Lösungen für zukünftige Patienten erarbeiten. Jedes Forschungsprojekt wird von der Ethikkommission der Universität Regensburg geprüft. Die Proben werden von den behandelten Ärzten entnommen und an den Lehrstuhl für Experimentelle Medizin der Universität Regensburg verschickt. Dort werden die Proben in einem diagnostischen Labor aufgearbeitet und ein Befund wird erstellt. Der Lehrstuhlinhaber, Prof. Christoph Klein, ist gleichzeitig Leiter der Fraunhofer-Gruppe. Die Proben werden in kodierter Form - unter Einhaltung aller Datenschutzvorgaben - an die Fraunhofer-Gruppe weitergegeben.

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Häufig gestellte Fragen

Beeinträchtigt die Entnahme von Forschungsproben den Behandlungsfluss?

Die vom Fraunhofer ITEM in Regensburg durchgeführte patientennahe Forschung ist nur dank der Bereitschaft von Patientinnen und Patienten möglich, Blut- und Gewebeproben zur Verfügung zu stellen. Dabei ist natürlich sichergestellt, dass dies die ärztliche Behandlung im Krankenhaus in keiner Weise beeinträchtigt und auch sonst keine Nachteile für den Patienten entstehen.

Was passiert mit den persönlichen Daten, die ich als Patient angebe?

Zunächst gehen Ihre Proben beim diagnostischen Labor des Lehrstuhls für Experimentelle Medizin und Therapieverfahren der Universität Regensburg ein. Dort werden alle Proben kodiert (pseudonymisiert). Persönliche Daten unterliegen der Verschwiegenheitspflicht aller dort beschäftigten Mitarbeiter. Die Möglichkeit, Ihre Proben/Daten mittels dieses Codes Ihrer Person zuzuordnen, hat nur der Lehrstuhlinhaber und Leiter des Fraunhofer ITEM in Regensburg, Prof. Christoph Klein und von ihm bestellte Mitarbeiter.

Die Biomaterialien und medizinische Daten können dann in doppelt verschlüsselter Form an den Bereich »Personalisierte Tumortherapie« des Fraunhofer ITEM in Regensburg weitergegeben werden.

Welche persönlichen Daten werden vom Fraunhofer ITEM genutzt und welche nicht?

Auf Ihre persönlichen Daten greifen wir nur zu, um aus dem Krankheitsverlauf Rückschlüsse für unsere Forschungsergebnisse zu gewinnen. Die Verlaufsdaten (z.B. Ansprechen auf eine Therapie, Zeitpunkt einer Ausbreitung der Erkrankung etc.) werden auf der Grundlage des Krebsfrüherkennungs- und Registergesetzes (KFRG) SGB V Paragraph 65c von den Tumorregistern (z. B. Tumorzentrum Regensburg) erhoben, wo Mitarbeiter des Lehrstuhls sie abfragen können und kodiert weitergeben dürfen. Beispielsweise wird untersucht, ob das Vorliegen einer bestimmten Zelleigenschaft mit einem guten oder einem schlechten Krankheitsverlauf oder mit dem Ansprechen auf eine bestimmte Therapie verbunden ist. Dafür müssen wir wissen, wie es den untersuchten Patienten geht.

Was habe ich als Patient davon und bekomme ich Ergebnisse zu meiner Probe?

Die Untersuchung von Tumorzellen in Blut, Lymphknoten oder Knochenmark ist eine Informationsquelle über die Ausbreitung der Tumorzellen. Diese Information ergänzt bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Computertomographie. Ein unmittelbarer Nutzen ist für die Patienten dadurch nicht gegeben, auch nicht durch die Untersuchung der Eigenschaften der gefundenen Krebszellen. Dennoch könnte die Teilnahme langfristig vorteilhaft sein, sollten wir Hinweise finden, dass die Tumorzellen einzelner Patienten besonders gut auf bestimmte Therapien ansprechen. Die Ergebnisse dieser Untersuchung würden wir den behandelnden Ärzten mitteilen, sofern die Patienten damit einverstanden sind. Grundsätzlich haben die Patienten jedoch ein Recht auf Nichtwissen. Für die Überlassung der Biomaterialien und Daten erhalten die Patienten bei einer Teilnahme an unseren Studien kein Entgelt. Sollte aus der Forschung ein kommerzieller Nutzen erzielt werden, werden sie auch daran nicht beteiligt.

Wer kann mir bei Rückfragen Auskunft geben?

Sollte Ihnen etwas unklar sein, fragen Sie bitte Ihren behandelnden Arzt bzw. Ihren Studienarzt. Bei Rückfragen auch zu einem späteren Zeitpunkt können Sie sich an den Inhaber des Lehrstuhls für Experimentelle Medizin und Therapieverfahren und den Leiter des Fraunhofer ITEM in Regensburg, Prof. Christoph Klein, wenden.

Welche Fragestellungen liegen einem typischen Projekt mit dem Fraunhofer ITEM in Regensburg zugrunde?

Wie können gestreute Krebszellen in Blut oder Geweben wie Lymphknoten und Knochenmark, die nach der Entfernung des Primärtumors noch im Körper verblieben sind, gefunden werden?

Wie können diese Krebszellen isoliert und untersucht werden?

Wie lassen sich die verschiedenen Verfahren zur Isolierung und Untersuchung dieser Krebszellen am besten in eine klinisch-diagnostische Anwendung bringen?

Welche Veränderungen in den Krebszellen können Ansatzpunkte für Therapien sein?

Wie können die körpereigenen Abwehrkräfte gegen diese Tumorzellen gestärkt werden?

Welche Marker erlauben eine Aussage über den Verlauf der Erkrankung und den Therapieerfolg?

In welchem Projektrahmen werden solche Patientenprobleme gebraucht?

Gerne infomieren wir Sie im Detail wofür Ihre Proben genutzt werden. Hier finden Sie beispielhaft aktuelle Projekte für die wir Patientenproben brauchen.

Diagnostische Nutzung gestreuter Krebszellen zur Untersuchung typischer »Brustkrebsgene«

Generierung von Zellmodellen aus im Blut zirkulierenden Tumorzellen zur Erforschung neuer Medikamente

Weitere Informationen zu den Projekten

Bindeglied zwischen Grundlagenforschung und Anwendung

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Das Fraunhofer ITEM in Regensburg als Teil der Fraunhofer-Gesellschaft versteht sich als Bindeglied zwischen Grundlagenforschung und Anwendung. Maßgeblich für unsere Projekte sind

der Wissens- und Technologietransfer von der Grundlagenforschung in die anwendungsorientierte Forschung oder

die Entwicklung, Optimierung und Validierung innovativer Verfahren mit Partnern aus anderen (z. B. universitären) Forschungseinrichtungen oder der Industrie.

Entsprechend der Fragestellung und dem Kooperationspartner werden die Projekte durch öffentliche Gelder (z. B. Forschungsministerium BMBF) oder durch externe Auftraggeber finanziert.

Beitrag des Fraunhofer ITEM in Regensburg

Als Teil der Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung arbeitet die Fraunhofer-Gruppe in Regensburg an innovativen Methoden, welche die Diagnostik und Therapie von Patienten in der Zukunft verbessern sollen. Dabei führt das Fraunhofer ITEM selbst keine Behandlungen und Tests an Patienten durch. Unsere Forschungsprojekte erfolgen immer in Zusammenarbeit mit Kliniken und niedergelassenen Ärzten, die Ansprechpartner für den Patienten sind. In dieser gemeinsamen Arbeit werden dann neue Technologien entwickelt und Partner in der Industrie gesucht. Dadurch wollen wir gewährleisten, dass diese neuen Technologien allen Patienten zugänglich gemacht werden und klinischer Standard werden können.